Ameca splendens von UWE DOST, Germany Nach dem ich schon lange Jahre Flitterkärpflinge im Aquarium pflegen und vermehren konnte, hatte ich endlich im Mai 2000 während einer dritten Mexikoreise die Gelegenheit, diese Fische in ihrem Lebensraum zu beobachten und zu fangen.
 | Das Balneario Teuchitlan, Heimat von Ameca splendens Foto: Uwe Dost
 | Das Balneario Teuchitlan, Heimat von Ameca splendens Foto: Uwe Dost Sehr empfehlenswert vor dem Antritt einer solchen Fangreise, vor allem wenn man Hochlandkärpflinge sucht, ist es, sich aus der Literatur oder von anderen Fangreisenden soviel Informationen und Tipps als möglich zu besorgen. Dazu gehört auch zumindest die grobe geografische Lage von „sicheren" Fundorten. Denn während wir beispielsweise an der Karibikküste Mexikos oder in der Provinz Chiapas doch relativ viele kleine wasserführende Flüsschen und Bäche überquerten, die als potentielle Fischbiotope in Frage kamen, ist das Hochland Mexikos, die Mesa Central, inzwischen wenigstens zeitweise derart trocken, dass nur sehr wenige Gewässer ganzjährig Wasser führen. So kann man während der Fangreise viel Zeit und unnötige Wegstrecken einsparen. Auf den Landkarten sind zwar auch etliche Flüsse eingetragen, zur Zeit unserer Reise waren viele aber bereits trocken gefallen. Selbst mit dem groben Wissen um Orte gestaltet sich die Suche nach Fischbiotopen im Hochland Mexikos noch abenteuerlich genug. In der Literatur wird angegeben, dass der Flitterkärpfling bisher nur in zwei Flüsschen, dem Einzugsgebiet des Oberlaufes des Rio Ameca und des Rio Teuchitlan, nachgewiesen wurde. Malerisch wirkt auch der Rio Ameca Foto: Uwe Dost BRIAN KABBES (Niederlande) nannte uns das Balneario Teuchitlan als Fundort, den er selbst erst im Dezember 1999 besucht hatte. Daher fuhren auch wir das Balneario an, einen großen Quelltopf, der den Ursprung des Rio Teuchitlan bildet und von der Bevölkerung als Freibad genutzt wird. Zum Gelände des Balneario gehören neben dem Quelltopf noch ein Grillplatz, ein einfaches Restaurant sowie mehrere Schwimmbecken. Von der Kasse am Eingangsgebäude des Balneario führt eine Straße über einen Damm, der zwei Teiche voneinander trennt, hin zum eigentlichen Freibad. Da wir die Anlage unter der Woche und dann noch zur Mittagszeit besuchten, war der Andrang nicht all zu groß. Dennoch war das Bad recht ordentlich besucht und unser Tun, ein Fremder, der mit Taucherbrille und Fotoapparat in Wasser steigt und versucht, Fische zu fotografieren, weckte gleich das Interesse der dort badenden und fischenden Kinder. Fischende Kinder im Schwimmbad Foto: Uwe Dost Die Hauptquelle, die gleichzeitig das Hauptbadebecken der Anlage darstellt, ist etwa eineinhalb Meter tief und wird allseitig von einer Mauer eingefasst. Dort ist sowohl der Boden als auch das Wasser am saubersten. An einer Seite der Beckenmauer, im Schatten eines großen Baumes, führen mehrere breite Stufen ins Wasser, die bevorzugt zum Sitzbad genutzt werden. Zahlreiche Ameca splendens ließen sich schnorchelnd beobachten Foto: Uwe Dost Der gesamte Boden im Bereich des Quelltopfes ist kiesig-sandig, durchsetzt mit einigen Felsen. Das Wasser war glasklar und völlig sauber. Wir maßen Ende Mai 2000 folgende Wasserwerte: Temperatur 25 °C, pH-Wert 7, KH 3 bis 4°, GH 4°, Nitrat und Nitrit war nicht nachweisbar. Die Lufttemperatur betrug mittags bei wolkenlosem Himmel etwa 35 °C, weshalb das Schnorcheln zwischen den Fischen eine wohltuende Erfrischung auf der schweißtreibenden Reise durchs trockene, heiße Hochland darstellte. Aus der gefassten Quelle fließt das Wasser in die beiden, vom Fahrdamm getrennten Teiche. Deren ebenfalls sandig-steiniger Boden ist mit zunehmender Entfernung vom Wasserzufluss von einer immer dicker werdenden Mulmschicht bedeckt. Nur an den Rändern, wo Wasser aus dem Bodengrund nach oben drückt und den feinen Mulm fortspült, ist auch hier der Grund sehr sauber. Besonders viele Fische schwimmen im seichten Wasser der eggen gegen die Strömung der Abflüsse des Quellbeckens an, immer in der Erwartung, aufgewirbelte Nahrungspartikel zu erhaschen. Die ruhigen Randbereiche der zwei Teiche sind mit verschiedenen Wasserpflanzen, Laichkräutern und Hornkraut teilweise sehr dicht bewachsen. Steine und Mauern des Beckens sind mit einer bräunlichen Algenschicht, keine Grau- sondern wohl Kieselalgen überzogen, die von den Fischen permanent abgeweidet werden. In den mehrere Meter breiten und bis über einen Meter tiefen Teichen sowie deren steiniger Randzone mit einem Kescher zu fischen, ist sehr mühselig und die Fangausbeute dementsprechend mager. Die wenigen von uns gekescherten Fische weckten aber sofort reges Interesse unter den Kindern. Weitaus ergiebiger und eindrucksvoller war das Schnorcheln, denn es wimmelte nur so von Fischen. Neben den Flitterkärpflingen, die eindeutig zu identifizieren waren, konnten wir noch einen weiteren Goodeiden, wohl Zoogoneticus quitzeoensis beobachten. Zoogoneticus quitzeoensis Foto: Uwe DostZudem waren noch zwei Poeciliiden, der im Hochland weit verbreitete Hochland-Poeciliopsis, Poeciliopsis infans und der Spitzkopfmolly, Poecilia sphenops, sehr zahlreich anzutreffen. Poeciliopsis infans aus einem Bewässerungsgraben Foto: Uwe DostEbenso häufig war eine in Mexiko als Speisefisch ausgesetzte, inzwischen sehr weit verbreitete afrikanische Tilapienart. Nach der Fangpause am Balneario Teuchitlan fuhren wir weiter in Richtung der Stadt Ameca. Im Osten von Ameca, die wohl dem Fluss und auch der Gattung der Flitterkärpflinge den Namen gab, fischten wir ebenfalls, denn 12 Kilometer östlich der Stadt waren die Flitterkärpflinge laut Literatur bereits schon einmal nachgewiesen worden. Wir konnten im leicht braun-trüben Wasser mehrere Fischarten fangen: Grüne Schwertträger, Xiphophorus helleri, Poeciliopsis infans, Poecilia sp. (entweder P. sphenops oder P. butleri) und auch wieder Zoogoneticus quitzeoensis.
 | Xiphophorus helleri aus dem Rio Ameca Foto: Uwe DostFerner gingen uns noch drei bis vier Zentimeter große Zwergflusskrebse, Cambarellus sp., sowie auch wieder Tilapien ins Netz. Jeder Zug unter die im flachen Wasser wurzelnden Wasserhyazinthen brachte neben Fischen und Krebsen sehr viele Muscheln zum Vorschein. Auch verschiedene Wasserkäfer, Wasserwanzen und diverse Insektenlarven konnten nachgewiesen werden. Unter Wasserhyazinthen leben Krebse, Muscheln und Fische Foto: Uwe Dost Die Wassertemperatur im flachen Rio Ameca war bei 36 °C Lufttemperatur ebenfalls sehr hoch und dürfte wohl über 30 °C betragen haben. In einem neben einer Brücke einmündenden, deutlich tieferen Zuflussgraben war das Wasser wesentlich kühler, etwa geschätzte 25 °C. Im weiteren Verlauf des Flusses durch die Stadt dürfte das aquatische Leben unter einer dicken und dichten Schicht Wasserhyazinthen wohl fast vollständig erloschen sein. Wir überquerten den Rio Ameca im weiteren Reiseverlauf noch einmal in der Nähe seiner Mündung bei Puerto Vallarta. Ein Seitenarm des Flusses, direkt bei der Touristenstadt, führte überhaupt kein Wasser mehr, der Hauptarm war im Mai ebenfalls bis auf einige Untiefen sehr flach. Hier wurde das Flussbett zur Kiesgewinnung genutzt. Im Rio Ameca wird in der Trockenzeit Kies gewonnen Foto: Uwe Dost Neben Salmlern und Barschen konnten wir im flachen Uferbereich einige Grundeln fangen, möglicherweise die in Mittelamerika und auf den Westindischen Inseln weit verbreiteten Dormitator maculatus, die, häufig fälschlich als Räuber verschrieen, Detritus, Pflanzen und Wirbellose fressen. Interessant war diese Grundel, vermutlich Dormitator maculatus Foto: Uwe DostDie Tiere leben sowohl im Meer- und Brack- als auch im Süßwasser und laichen während der Regenzeit vor allem im Mündungsbereich von Flüssen. Mehr Informationen über den Autor UWE DOST bekommen Sie hier |