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Guenter Ellenberg

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Guenter Ellenberg

 

Reisebericht 2 von Uwe Dost

Reiseimpressionen aus dem mexikanischen Hochland,
von bedrohten und noch unbeschriebenen
Hochlandkärpflingen

von Uwe Dost, Germany

Spricht man von Lebendgebärenden Zahnkärpflingen, denken Aquarianer zuerst einmal an Guppys, Platys und Schwertträger. Die ebenfalls lebendgebärenden Zahnkärpflinge der Familie der Hochlandkärpflinge, Goodeidae, dagegen sind meist nur den Spezialisten bekannt. Auch ich habe mich lange Jahre hauptsächlich mit lebendgebärenden Zahnkarpfen der Familie Poecilia beschäftigt und die Hochlandkärpflinge kaum beachtet. Dabei hatte ich 1994 und 1995 bereits zwei Mal Mexiko bereist, um dort Lebendgebärende (Poeciliden) in ihren Biotopen zu beobachten und zu fangen. Damals hielten wir uns jedoch jeweils nur kurz in den Randbezirken des zentralen Hochlandes, der Heimat der Hochlandkärpflinge, auf und fanden dementsprechend nur wenige Arten.

 Auch in Aquarienmagazinen finden sich kaum Berichte über Hochlandkärpflinge. Wird in Zeitschriften dennoch einmal über diese Fische berichtet, sind es in den letzten Jahren leider zunehmend Meldungen über deren starke Bedrohung oder gar über ihr Aussterben in freier Wildbahn. Daher wollte ich mir unbedingt selbst einmal vor Ort ein Bild über die Lage der Hochlandkärpflinge machen. Im Mai 2000 war es dann endlich soweit, wir flogen abermals nach Mexiko, um diesmal im zentralen Hochland nach lebendgebärenden Zahnkarpfen, vor allem Goodeiden, zu suchen. Dabei mussten wir leider feststellen, dass einige Arten doch ernsthaft in ihrem Bestand bedroht sind. Denn das Hochland Mexikos leidet unter zunehmender Austrocknung und Wüstenwerdung der Landschaft. Ferner tragen zur Bedrohung der im Hochland heimischen Fischfauna auch Klimaschwankungen, wie z. B. die große Dürre von 1999, der steigende Wasserbedarf der Bevölkerung und der Landwirtschaft, die fortschreitende Umweltverschmutzung sowie auch die Faunenverfälschung durch das Aussetzen von Fremdfischen, meist afrikanischen Barschen (Tilapien) ihren Teil dazu bei. Neben einigen doch sehr nachdenklich stimmenden Eindrücken konnten wir jedoch erfreulicherweise auch zwei noch nicht beschriebene Hochlandkärpflingsarten fangen und fotografieren.

Ausgangspunkt unserer Reise war Mexiko City. Wie gewaltig die Ausmaße Mexiko Citys sind wurde uns bewusst, als wir mit dem Wagen Richtung Toluca aufbrachen. Wir wohnten in der Hotelzone Zona Rosa mitten in der Stadt und es dauerte Stunden, bis wir im dichten, chaotischen Straßenverkehr endlich die letzten Häuser und die Stadtgrenze hinter uns ließen. Erst in den Bergen kamen wir dann schneller voran.

Das zentrale mexikanische Hochland ist relativ trocken und niederschlagsarm. Dies wurde uns beim Bereisen dieses Gebietes schnell deutlich. Wir besuchten das Hochland Mitte Mai 2000, kurz vor Ende der Trockenzeit. Die Suche nach Fischen wurde uns dadurch sehr erleichtert, dass die Gewässer nur wenig Wasser führten, was natürlich den Fischfang vereinfachte. Allerdings mussten wir auch feststellen, dass einige in den Karten eingezeichnete Fließ- und Stehgewässer, zur Zeit unseres Besuches völlig ausgetrocknet waren, obwohl diese Gebiete sogar in den neueren Fachberichten noch als Fangorte verschiedener Lebendgebärender angegeben wurden.

Andere Gewässer wiederum führten, kurz vor Beginn der Regenzeit Ende Mai Anfang Juni, sehr wenig Wasser. Bei einigen dieser Restgewässer fragten wir uns, ob diese nach weiteren zwei oder drei Wochen ohne Niederschläge noch Wasser haben werden. Besonders vom Aussterben bedroht sind natürlich Fischarten, die nur noch von wenigen oder gar nur von einem einzigen Fundort her bekannt sind, wie z.B. eine Unterart des Banderolenkärpflings, (Xenotoca eiseni sp. „San Marcos") bzw. der „Schwarze Prinz" Characodon audax. Im folgenden Bericht möchte ich nun einige unserer Reiseerlebnisse schildern. Meldungen, der „Schwarze Prinz" Characodon audax wäre ausgestorben, sorgten zu Beginndes Jahres 2001 im Internet und auch in Aquarienzeitschriften für Aufregung.

Auch wir hatten den einzigen Fundort des "Schwarzen Prinzen", die Quelle „Ojo de Agua de las Mujeres" (Foto unten)

Characodon audax 18 Pärchen El Toboso Dost

beim Dorf „El Toboso", nahe der Großstadt „Durango" im gleichnamigen Bundesstaat, im Mai 2000 besucht. Die Besonderheit dieses Fundortes ist, dass sich das Wasser zweier(?) Quellen in eine Senke ergießt, wo es dann allmählich wieder im Untergrund verschwindet. Bei ausreichenden Niederschlägen können sich in der Senke vor dem Dorf mehr oder weniger große Pfützen, Teiche oder im Extremfall gar ein kleiner See bilden. Jedoch kommt es selbst während der Regenzeit zu keinem oberirdischen Abflussaus dieser Senke, über den andere Fischarten zuwandern können.

Die Quellen und Gewässer, die dem „Schwarzen Prinzen" (Fotos im Biotopbild zeigen den „Schwarzen Prinzen" mit viel rot in Schwanzflosse) als Lebensraum dienen, sind also völlig isoliert.

Characodon audax 17 El Toboso Dost

 Der von einem Damm gefasste Quellteich von „Ojo de Agua de las Mujeres" war zum Zeitpunkt unseres Besuches zwar höchstens zu einem Drittel gefüllt, stellte aber in der heißen, staubtrockenen Gegend ein unerwartet großes Wasserreservoir dar. Als ich im Dezember 2000 die Nachricht vom Aussterben des „Schwarzen Prinzen" in der DATZ las, erschrak ich sehr. Hatten wir doch erst ein halbes Jahr zuvor diesen Fundort bei „El Toboso" besucht. Sollten wir etwa die letzten Fischliebhaber gewesen sein, die den „Schwarzen Prinzen" lebend beobachtet und fotografiert hatten? Sein Biotop erschien mir damals, im Gegensatz zu einigen anderen, nicht akut bedroht. Zum Glück erbrachte die Suche im Internet sogleich Entwarnung. Denn die Bilder des Niederländers BRIAN KABBES, der vom Aussterben der Art berichtete, aufgenommen während seiner Fangreise im Dezember 2000, zeigten nicht die von uns besuchte Quelle, sondern einen „Tümpel" am Dorfrand, wo das Wasser des von der Quelle gespeisten Baches sich allmählich im Untergrund verliert. Um mich aus erster Hand zu vergewissern, rief ich BRIAN KABBES an, um mit ihm Reiseerlebnisse auszutauschen und vor allem, konkret über den Fundort in "El Toboso" zu sprechen. Als wir unsere Erfahrungen ausgetauscht hatten war auch er erleichtert, dass der „Schwarze Prinz" auch (und wohl noch immer) in der relativ „sicheren" Quelle lebt und nicht nur in dem Schulhoftümpel sowie den unbeständigen, zeitweise trocken fallenden Tümpeln am Ortsrand. Er hatte die in der Literatur genannte, eigentliche Fundstelle, die Quelle „Ojo de Agua de las Mujeres" am anderen Dorfrand, knapp verfehlt.

 Natürlich ist eine Fischart, die lediglich von einem einzigen Fundort, einer kleinen Quelle samt ihrem Abfluss und ihrer temporären Versickerungsteichen in einer sehr trockenen Gegend her bekannt ist, stark in ihrem Bestand bedroht. Denn der sehr begrenzte, in seiner Größe stark schwankende Biotop kann nur einer vergleichsweise geringen Population Nahrung und Lebensraum bieten. Ein weiterer Fundort, ein kleiner Quellbrunnen auf dem Schulgelände im Dort, der bei genügend Niederschlägen ebenfalls die von Brian Kabbes beschriebenen Wasserflächen am Dorfrand speisen soll und gelegentlich auch als Fundort von Characodon audax genannt wird, fällt scheinbar durch Wasserentnahme ebenfalls wenigstens zeitweise nahezu trocken und stellt daher keinen zweiten gesicherten Fundort dar.

 Zum Zeitpunkt unseres Besuches war der Quelltopf zwar gut gefüllt und es floss sogar Wasser in den Ort hinein. Allerdings versickerte der kleine Rinnsal bereits nach nur wenigen Metern (Foto oben) in der Dorfmitte und enthielt keine Fische. Wir konnten nur in der Schulhofquelle und in ihrem Auslauf bis zur das Gelände eingrenzenden Mauer Fische nachweisen, jedoch lediglich Gambusia senilis.

 Erfreulicherweise wird der „Schwarze Prinz" in Europa und den USA noch in größerer Stückzahl von Liebhabern gepflegt und vermehrt, sodass sein Bestand (noch!) als gesichert gilt. Es kann ohne Übertreibung festgestellt werden, dass von dieser Art wohl mehr Exemplare in Aquarien leben als im Biotop selbst. Auf dem Weg zum Fundort des „Schwarzen Prinzen" führt die Straße am Dorf „Abraham Gonzales" vorbei. In einem etwa einen Meter breiten Graben floss Wasser mit ordentlicher Strömung aus dem Dorf heraus. Wir wollten eigentlich nur kurz die Gewässer begutachten, denn nach dem Studium der Angaben anderer Fangreisender erwarteten wir dort nur Gambusen. Um so mehr waren wir erstaunt, als der erste Kescherzug außer den Gambusia senilis auch noch ein schön gefärbtes Goodeiden-Männchen erbrachte.

 Da es sich bei diesem Tier um den ersten Wildfang der Gattung Characodon meines Lebens handelte, glaubte ich zuerst, es wäre ein besonders großes, hochrückiges, altes Exemplar des „Regenbogengoodeiden“, Characodon lateralis. Wir konnten im weiteren Verlauf unserer Reise dann auch „echte" Characodon lateralis fangen (Foto unten). Diese unterschieden sich doch in der Körperform etwas von den Abraham Gonzales Tieren, weshalb uns leichte Zweifel bezüglich der Bestimmung und Zuordnung der Abraham Gonzales Tiere kamen. Nach unserer Rückkehr nach Deutschland erbrachten die Nachforschungen, dass es sich um eine neue, noch nicht beschriebene Characodon-Art handeln könnte. Meines Wissens wurden die Tiere bisher noch nirgends abgebildet. Interessanterweise gibt es Berichte von einer weiteren, bisher noch nicht eindeutig zuzuordnenden „neuen" Characodon-Varietät in der Gegend von „Durango". Es könnten zu den zwei noch bekannten Characodon-Arten (Characodon lateralis und Characodon audax) und dem wohl Anfang des letzten Jahrhunderts ausgestorbenen „Parras-Goodeiden“ (Characodon garmani) in den nächsten Jahren wieder weitere neue Characodon-Arten entdeckt und bestimmt werden. Jedenfalls besteht hier noch ein großer Forschungsbedarf, um die Artenzahl der Gattung endgültig zu klären. Wir konnten im Dorfgraben von „Abraham Gonzales" trotz zahlreicher weiterer Netzzüge lediglich noch ein Weibchen dieser neuen Varietät fangen. Wir folgten dem Graben in „Abraham Gonzales", um nach seinem Ursprung zu suchen und gelangten am anderen Dorfende zu einem kleinen, von einer Mauer umfassten See. Auf den ersten Blick waren im dunklen, trüben, Wasser Barsche und Gambusen, jedoch keine Goodeiden zu sehen. Der See, in der trockenen Landschaft eine bemerkenswert große grüne Oase, wird außerdem noch von mehreren Teichen und sumpfig-morastigen Wiesen umgeben. Völlig zufrieden gestellt verzichteten wir auf die eingehende Untersuchung der Tümpel in der Umgebung des Sees.

Sollten hier in den Quellen zahlreiche Exemplare des Goodeiden leben und sich nur gelegentlich einige Exemplare in den Dorfgraben verirren? Auch hier gibt es noch einiges zu erforschen. Wesentlich weniger erfolgreich war bei unserem Besuch im Mai 2000 die Lage an zwei Fundorten des „Goldsattel-Banderolenkärpflings “Xenotoca eiseni sp. „San Marcos", einer friedlichen und sehr hübschen Unterart des „Banderolenkärpflings“. Vor Reiseantritt fand ich bei der Suche nach Goodeiden-Fangplätzen zwei scheinbar sichere Fundorte (von 1999) dieser Unterart. Von einer starken Bedrohung dieser Biotope war dort nicht die Rede. Der „Goldsattel-Banderolenkärpfling“ (Foto unten) war einer der wenigen Hochlandkärpflinge, die ich bisher selbst gepflegt hatte (siehe VDA aktuell 3/99). Ich kann die farblich sehr ansprechenden und recht friedlichen Fische jedem Aquarianer nur empfehlen, denn anders als die Nominalform sind sie durchaus gesellschaftsfähig und ihre Haltung und Vermehrung bereitet keine Probleme. Dass diese doch recht weit verbreitete Unterart des „Banderolenkärpflings“, die sogar gelegentlich in Zoofachgeschäften angeboten wird, in freier Natur wohl stark vom Aussterben bedroht ist, hätte ich nicht erwartet.

Denn ein in der Literatur als Fundort angegebener Graben mit reichlich Wasserführung war gänzlich austrocknet, der zweite Fundort, ein kleiner Teich auf einer Weide, war schon sehr geschrumpft und stand kurz vorm Austrocknen. Im Restwasser lebten noch etliche Fische und eine bis zu 4 cm große Flusskrebsart (Cambarellus sp.). Wir fingen dort neben vielen Gambusen und dem „Goldsattel-Banderolenkärpflingen“ auch noch drei weitere Goodeiden: Xenotoca melanosoma, Goodea atripinnis und Allotoca maculata.

Auch eine mexikanische Strumpfbandnatter (Foto oben) konnten wir keschern. Dieser Fischräuber hatte im flachen, trüben Wasser beste Erfolgschancen bei der Jagd. Ich hoffe nur, dass dieses Restgewässer auf der Weide nicht wirklich den letzten Fundort dieser Unterart darstellt. Andererseits sollten ja noch irgendwo für die Fische als Lebensräume geeignete Gewässer, etwa weitere Teiche auf Viehweiden und Quelltöpfe existieren. Denn schließlich musste ja der ausgetrocknete Graben und der Teich auf der Weide einst von irgendwoher sein Wasser samt die ihn bewohnenden Fische und Krebse bezogen haben. Die Aussichten auf die Existenz gesicherter Biotope sind aber nicht sehr gut. Denn die beiden Fundorte des „Goldsattel-Banderolenkärpflings“ liegen im Magdalena-Becken. Dort gab es einst einen großen, flachen See, von dem heute nur noch ein kleiner Rest übrig geblieben ist. Dieser Restsee kann nach Mitteilung von Manfred K. Meyer (Bad Nauheim) sogar während der Trockenzeit völlig austrocknen, weshalb er bei Wasserführung auch keine Fische mehr enthält. In den Landkarten der Region sind auch noch mehrere andere Stehgewässer eingezeichnet.

Etwa ein weiterer See „Palo Verde" ca. 2 km hinter dem Ort „Etzatlan". Zum Zeitpunkt unseres Besuches war auch dieser ausgetrocknet und Rinder weideten auf dem ehemaligen Seeboden. Die Umrisse des bei Wasserführung wohl nur 1 bis 2 Meter tiefen Sees ließen sich lediglich noch anhand des dunklen, feuchten Bodens und dem im Vergleich zu den übrigen Weideflächen grünen, üppigeren Bewuchses erahnen. Nur heftige Niederschläge, wie wir sie während unserer letzten Reisewoche erlebten, hätten die letzten Fische des Weideteiches noch retten können. Denn mit Beginn der Regenzeit gingen gebietsweise sintflutartige Gewitterregen nieder. Beispielsweise überfluteten Wassermassen eine Stadt nahe Mexiko City und unterspülten und beschädigten sogar die von Puebla in die Hauptstadt führende Autobahn, was unsere Rückreise etwas verzögerte. Wie beim „Schwarzen Prinzen" ist wohl auch diese hübsche Unterart des „Banderolenkärpflings“ bei Liebhabern noch weit verbreitet und daher in ihrem Aquarienbestand gesichert. Nach so viel Nachdenklichem möchte ich nun jedoch auch noch etwas erfreulicheres berichten. Denn außer diesen gefährdeten Biotopen besuchten wir auf unserer Reise auch Gewässer, die noch genügend Wasser führten und nicht in ihrem Bestand bedroht waren, u. a. auch den „Zacapu See". Auf der Suche nach dem See fuhren wir zuerst in den Ort „Zacapu". Im Ort liegt ein größeres, von einer Mauer eingefasstes Gewässer in einer Art „Stadtpark". Über das Gewässer führt eine Brücke.

Wenn ich mich im nachhinein noch genau erinnere, war das Wasser dort sehr klar mit Sicht bis auf den Grund. Es dürfte sich hierbei wohl um eine / die Quelle des Sees handeln, denn außerhalb der Stadt in Richtung Osten - am Abfluss des Sees - war das Wasser dunkelbraun wie Schwarztee (Foto oben). Rechts von der Brücke gibt es einen Parkplatz. Dort parkten wir und beobachteten kleine Jungs beim Versuch, Fische zu fangen. Direkt am Fuße der Mauer beim Parkplatz suchten viele kleine und große Goodeiden im nur wenige Zentimeter tiefen Wasser nach Nahrung. Mit meinem Teleskopkescher konnte ich einige dieser Fische fangen. Es waren Goodea atripinnis verschiedener Größenklassen.

Die Kinder beobachteten uns sehr interessiert beim Fischen. Sie waren sichtlich beeindruckt von unseren Fanggeräten und den erbeuteten Fischen. Nachdem wir die Fische fotografiert hatten, und sie ins Wasser zurücksetzen wollten, baten sie uns eindringlich, ihnen die Fische zu überlassen, allerdings nicht fürs Aquarium, wie wir zuerst naiv dachten, sondern zum Essen. Da die Goodea überaus zahlreich waren und auch keine bedrohte Art darstellen, gaben wir ihrem Wunsch gerne nach. Anschließend fuhren wir weiter in Richtung Osten zum Stadtrand hin, um nach weiteren Goodeiden Ausschau zu halten. Es war allerdings gar nicht so einfach, einen freien Zugang zum See zu finden. Denn fast das ganze Ufer war Privatgrund, größtenteils eingezäunt und / oder oft von kläffenden Hunden bewacht. Weiter außerhalb des Ortes liegt am Seeufer ein kleiner Betrieb, der Tonziegel herstellt. Unweit davon fließt das Wasser des Sees in einen Kanal, der zu einem Stausee führen soll. Endlich fanden wir am Abfluss des Sees, neben einem Haus, einen Pfad, der bis an das Seeufer führte. Wir fragten den Hausbesitzer, ob wir dort fischen dürften. Er gestattet uns dies und hielt auch seinen kläffenden Hund zurück. Der Boden im Uferbereich war torfig, neben dem Fußpfad sehr tief und morastig. Im dunkelbraunen Wasser waren die Fische kaum zu erkennen, lediglich die Kräuselungen der Wasseroberfläche verrieten ihre Anwesenheit.

Wir kescherten den Bewuchs der Ufer ab und konnten einige Fische, Wasserinsekten und auch kleine Flusskrebse erbeuten. Darunter weitere Goodeiden, etwa eine Skiffia-Art, die derzeit in Fachkreisen als „Skiffia sp. Zacapu“ bezeichnet wird und einige Xenotoca variata Weibchen. Die Skiffia waren recht variabel gezeichnet; wir fingen Exemplare mit und ohne Sprenkel. Nach unserer Rückkehr sprach ich auch mit MANFRED K. MEYER, einem exzellenten Kenner lebendgebärender Zahnkarpfen und Buchautor über diese Fische. Er teilte mir mit, dass es sich bei dieser Skiffia-Art wohl eher um eine Variante von Skiffia lermae handeln dürfte, als um eine neue Art. Dies waren nur einige wenige Erlebnisse unserer Reise durch das zentrale Hochland Mexikos. In den Medien wird immer wieder berichtet, wie gefährlich die mexikanischen Großstädte für Reisende sind. Auch wir hörten vor Reiseantritt von etlichen Überfällen auf Touristen. Die Hoteliers und Taxifahrer warnten uns ebenfalls vor Räubern und Taschendieben in den Mercados (Märkten) in Mexiko City und auf nächtlichen Spaziergängen. Glücklicherweise mussten wir diesbezüglich keine negativen Erfahrungen machen. Dagegen ist Mexiko nach allgemeinen bisherigen Reiseerfahrungen außerhalb der Großstädte ein überaus faszinierendes Land voller netter, hilfsbereiter Menschen. Hier finden sich in allen Lebenslagen helfende Mitmenschen, sei es als Helfer bei Autopannen oder um sich als Führer anzubieten. Mexiko bietet Naturliebhabern sehr viele unterschiedliche Landschaften und Aquarianern viele Biotope mit unterschiedlichsten Fischarten. Zudem ist es sehr reich an historische Stätten und alten Kulturen, so dass auch an Geschichte interessierte Naturliebhaber bei einer Rundreise voll auf ihre Kosten kommen. Ich hoffe, mit diesem Bericht die doch immer noch sehr wenig bekannten Hochlandkärpflinge interessierten Aquarianern etwas näher gebracht zu haben und vor allem Goodeidenhaltern bewusst zu machen, welche bedrohte Kostbarkeiten sie pflegen.